Dienstag, 2. März 2010

Kritik an der Erarbeitung unseres Wahlprogrammes

Nachdem wir NRW-Piraten im letzten Februarwochenende unser Wahlprogramm für die Landtagswahl 2010 beschlossen haben, war ich sehr desillusioniert. Das hat zum einen mit dem Inhalt des Beschlossenen zu tun, zum anderen mit der Art und Weise der politischen Willensbildung.

Die inhaltlichen Punkte des Wahlprogramms möchte ich hier nicht kommentieren, sondern mich auf letzteres konzentrieren. Das ist für mich der wesentliche Punkt.

Meine Vorstellung von dem Ziel eines Arbeitskreises ist es, politische Willensbildung zu fördern. Politische Willensbildung bedeutet für mich, auf Grundlage von Wissen Meinungen von Menschen zu erfassen, zu diskutieren und abzubilden.

Bevor man also anfangen kann, Meinungen zu Themen zu diskutieren, muss man anfangen, das Wissen über dieses Thema zu erweitern, denn ich halte eine unbegründete Meinung für heiße Luft.

Was wir auf den ersten beiden Landesparteitagen 2010 in NRW gemacht haben, unterscheidet sich meiner Auffassung nach nur unwesentlich von dem, was die etablierten Parteien tun. Dort wird eine Meinung entwickelt und versucht diese dem Wähler zu verkaufen.

Wirklich sauer wurde ich, bei der Vorstellung der Ergebnisse des Arbeitskreises Kultur. Nachdem ein Wahlprogrammmodul zum Thema Bürgerfunk abgelehnt wurde, drehten sich einige Mitglieder des Arbeitskreises auf der Bühne mit dem Rücken zum Publikum, um gegen die Entscheidung der LMV zu protestieren.

Das empfand ich wirklich als unter aller Würde. Nicht nur, dass es der AK versäumt hat, vorher die Inhalte zu vermitteln, es wird auch mit blinder Polemik quittiert.

Aber es verdeutlicht meinen Konflikt. Nicht alles was jetzt in unserem Wahlprogramm steht, vertrete ich. Mir nun vorzuwerfen, ich hätte mich ja einbringen können, ist ein fadenscheiniges Argument. Ich sehe mich als einen der Aktiven, der sich in Crew, Stammtisch, Projektgruppe und auch als Direktkandidat engagiert.

Ich sehe das so, dass 3 Monate nicht ausreichen, um eine angemessene politische Willensbildung zu betreiben. Deswegen habe ich mich auch gegen eine Ausweitung unseres Programmes in NRW ausgesprochen.

Ich habe das Gefühl, dass wir mit Blick auf Wählerstimmen unsere eigenen Grundsätze über Bord werfen. Aber das Ziel heiligt für mich nicht die Mittel.

Kommentare:

  1. Du wirst keine einzige Partei finden die ein Parteiprogramm hat zu dem du 100%ige Zustimmung verkünden wirst. Finde ich auch richtig so, Konflikte innerhalb einer Partei müssen vorhanden sein damit man sich ständig hinterfragt und optimiert.

    Hätte man jedoch in den letzten Wochen und Monaten die Zeit, die man mit Twittern, lustigen Retweets oder Vorstandsbashing, Bashing insgesamt verballert hat in die von dir geforderte politische Willensbildung gesteckt hätte man bestimmt auch ein viel ausgereifteres Programm aufstellen können.

    Nun haben wir wieder das Problem dass wir durch diese "Querelen" immer wieder negativ auffallen anstatt durch unsere wirklich gute Entwicklung als Partei.....

    my 2cts

    AntwortenLöschen
  2. Die Kritik an unserer Präambel war so schwachsinnig, dass sie nicht einmal falsch war. Die Kritik am Bürgerradio war zwar etwas qualifizierter, aber auch nur etwas. In der Folge hatte genau 1 Mitglied des AK Kultur ein Problem mit Nervenstärke, wollte dies dem Plenum aber nicht zeigen und hat sich daher kurz weggedreht. Deine Wahrnehmung in dieser Hinsicht war schlicht falsch.
    Es ist übrigens eine ziemliche Zumutung für einen freien Geist, da oben zu stehen, und seine Arbeit kommentieren zu lassen, ohne darauf eingehen zu dürfen. Besondes wenn man sich Blödsinn anhören muss wie: "Die Nennung von Arnold Schönberg verschreckt Wähler."
    Sie würde nur jene Wähler verschrecken, die garantiert niemals den kulturpolitischen Teil eines Wahlprogramms lesen.
    Aber macht nix, auch der allergrösste Unsinn zahlt sich irgendwann für irgendjemand aus:
    Es gibt eine neue Ableitung von Murphys Gesetz, ich nenne sie die Jan-Dörrenhaus-Variante:
    Es gibt immer noch grössere Muschis als du glaubst, auch wenn du das weisst und eingeplant hast.

    AntwortenLöschen
  3. @Schwarzbart
    genau das meinte ich. Der Jan und auch ich haben die Präambel nicht verstanden und sie als befremdend wahrgenommen. Aufklärung hätte uns da vermutlich geholfen.

    Zu Jans Verteidigung, ich habe seinen Einwurf nicht als Frage sondern als Meinungsäußerung ausgelegt. Damit muss man eben rechnen, dass einem die Meinung des Gegenüber nicht gefällt.

    Aber ich habe seine Meinung auch nicht als beleidigend gemeint gesehen.

    AntwortenLöschen
  4. Ne, passt schon. Nur haben wir jetzt eben keine Präambel bei, Kunstprogramm.
    Der Punkt ist, und das ärgert mich hin und wieder, dass Moderne Kunst und die Debatte über sie zu Meinungsäusserungen führen, denen keinerlei Faktenbasis zu Eigen ist. Wenn Jan Schönbergs 12-Ton-Musik als schrill empfindet: Madonna, die ist 90 Jahre alt, da sind mitunter noch ganz andere Sachen gelaufen. Deshalb hatte ich den Rekurs auf Stockhausen und Freie Improvisierte Musik schon selbst gecancelled, weil ich mir sicher war: Das ist too much für die Muschis im Saal ;-))
    Daher mein Beitrag zur Murphys Law - Sammlung.
    Ich bin da aber niemandem böse. Das läuft so, wie es eben läuft, wenn man die Wahlberechtigten nicht mit ner AK47 überzeugen darf. Wer das nicht erträgt, hat in demokratischer Politik nix verloren.

    AntwortenLöschen
  5. Hättet Ihr Euch gesagt, wir fangen jetzt mal an was zum Thema Kultur zu machen und wir bringen den Leuten mal das Thema näher und versuchen denen Probleme zu zeigen. Dann wäret Ihr nicht auf Taube Ohren gestoßen. Ihr hättet natürlich auch noch keine Vorschläge für das Wahlprogramm machen können. Aber ich sage immer: "Ein Feind nach dem anderen."

    Ich meine, Ihr habt Euch da oben hingestellt und versucht mir was zu verkaufen. Und in unser Wahlprogramm oder in unsere Satzung lasse ich nichts, was ich nicht verstehe.

    Ich denke aber schon, dass wir Piraten sehr tolerant sein können in Bezug auf unpopuläre Kunst. -Ist unpopulär das richtige Wort?- Wenn auch nicht bei vi-oder-emacs-Diskussionen ;)

    AntwortenLöschen
  6. Modern wäre das richtige Wort. Moderne Musik hat ein Problem mit Menschen, die archaisch geprägt sind. Denn Hören ist der einzige Distanzsinn, der im Dunklen fuktioniert, zum Erkennen nahender Gefahren. Da denkt der gemeine Sapiens bei Schönberg an Höhlenbären und Säbelzahntiger oder Ärgeres, weil er die Klangmuster nicht sinnvoll auflösen kann. Ein intellektuelles Di-Lemma: Will ich mich Klangstrukturen, die mir Angst machen, so lange aussetzen, bis ich sie verstehe, sie mir vertraut sind und damit geniessbar?
    Nichts scheut der durchschnittliche Zeitgenosse so sehr, wie geistige Anstrengungen, man sage nur mal in eine heitere Gesellschaft nijein:"Mathematik". Und schluss mit lustig. Da wollte ich was tun, mit den anderen Kulturpiraten, für einen wichtigen Zweig der Kunst. Leider hat sich ausser uns niemand dafür interressiert.

    Ich verstehe übrigens die ingenieursseitige Umsetzung von Kernfusion bei Weitem nicht vollständig. Trotzdem würde ich dafür stimmen. Man kann nicht alles selbst machen oder wissen. Manchmal muss man seinen Mitstreitern einfach vertrauen.

    AntwortenLöschen
  7. Jetzt haben mich Deine Worte dazu bewegt, mir den Schönberg noch mal anzuhören. Meine positiven Erfahrungen mit klassischen Instrumenten gehen auf Metallica' s S&M zurück. Nimm mir meine blöden Fragen daher nicht all zu übel.

    Ist das die Schönbergs 12-Ton-Musik?
    http://www.youtube.com/watch?v=CpkA3JYO15Y&feature=PlayList&p=053D42AF04DB6538&playnext=1&playnext_from=PL&index=4

    So, zurück zum Thema: Du magst die technische Umsetzung der Kernfusion nicht im Detail nachvollziehen können, aber eine Vorstellung von dem was da passiert hast Du schon - oder nicht? Und den Unterschied zwischen einem Kernkraftwerk und einem Kohlekraftwerk kannst Du auch schematisch darstellen, oder nicht?

    Bei moderner Kunst musst Du bei mir eben von Null anfangen. Aber wie Du siehst, nach wenigen Krümeln kann ich zumindest Interesse am Kuchen entwickeln und nachvollziehen, worüber Du sprichst.

    Für mich ist auch der Kulturbegriff etwas weiter gefasst. Opern, Diven und Goethe, sind für mich auch nur einen ganz kleiner Ausschnitt von Kultur.

    Zum Beispiel gehört für mich auch die Lebensart zur Kultur. Also, dass ich mir eine W-Lan Richtantenne bastele, um in Nachbars Garten einen vernünftigen Internetzugang zu haben - bin ja nicht auf einem LPT der Piraten ;).

    Deswegen habe ich mich in dem Kulturprogramm auch kaum wiedergefunden.

    AntwortenLöschen